Richard Lipinski

Robert Richard Lipinski (* 6. Februar 1867 in Danzig; † 18. April 1936 in Bennewitz) war ein deutscher Gewerkschafter, Politiker und Schriftsteller sowie Publizist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der aufgrund seiner Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes durch die Sozialdemokraten im Reichstag unter denjenigen Abgeordneten war, die von den NS-Machthabern verfolgt, verhaftet und in verschiedene Haftanstalten verbracht wurde.

Lipinski-1927Richard Lipinski, der als drittes von vier Kindern des Balkenhauers und Modellmeisters Heinrich Johann Lipjinski (Libginski), * 17. April 1837 in Tiegenhof/Westpreußen, † 4. April 1875 in Danzig, geboren wurde, musste schon frühzeitig zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Die Trennung der Eltern sowie der frühe Tod des Vaters als auch materielle Not überschatteten seine Jugend. Bereits als Kind musste er auf einer Schiffswerft arbeiteten. An eine höhere Bildung über die Volksschule hinaus war nicht zu denken. Lipinski besuchte von 1874 bis 1881 die Volksschule zu Danzig.

Nach kurzfristiger Verdingung als Lohnarbeiter in einer Gärtnerei folgte Ende 1881 eine Handlungsgehilfenlehre Handlungsgehilfe in einem Materialwarengeschäft mit Branntweinausschank, die Lipinski wegen Misshandlung durch den Lehrherrn im Frühjahr 1882 abbrach. Im April 1882 kam er mit seiner Mutter Christina Charlotte Henriette geb. Schröder (1832–1885), nach Leipzig, wo er zunächst seine Lehre in einem Geschäft der gleichen Branche beendet hatte. Anschließend fand er eine Anstellung in einem Destillationsgeschäft und später als Buchhalter in der Spiegel- und Rahmenfabrik seines Bruders.

Ab September 1882 bis 1894 war er bereits als Berichterstatter für die sozialdemokratische Leipziger Zeitung “Der Wähler”, nebenberuflich tätig. In diesen Jahren ist er mehrfach wegen Vergehens gegen die pressegesetzlichen Bestimmungen zu Geld- und Haftstrafen verurteilt worden.

Im Jahr 1886 trat er in die Gewerkschaft und 1890 in die SPD ein. Im selben Jahr war er Mitbegründer der „Freien Vereinigung der Kaufleute“ in Leipzig. 1897 war Lipinski Mitbegründer des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen. Im Jahr 1900 war er an der Gründung des Vereins der Arbeiterpresse beteiligt, Lipinski selbst bezeichnete sich als der Gründervater des Vereines. Ein Jahr später war er Mitbegründer der „Unterstützungsvereinigung der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Angestellten“. Von 1891 bis 1901 arbeitete er „nebenbei“ als Redakteur bei der Leipziger Volkszeitung.

1898 gründete er einen Verlagsbuchhandel in Leipzig. Das Geschäft in der Leipziger Königstrasse, heute Goldschmidtstraße 12, betrieb er als „Theater- und Musikalienverlag“, der ihm eine relativ gesicherte Existenz verschaffte. Er konnte somit weiterhin schriftstellerisch tätig sein. Neben Büchern und Musikalien, den Fahnen der Republik und der SPD, sowie politischen Postkarten, gehörten auch „Sommerfest-, Scherz- und Karnevalsartikel“ zum Angebot. Den Verlagshandel übergab er 1922 seinem ältesten Sohn Richard.1024px-Stolperstein_für_Richard_Lipinski

Seit 1992 erinnert im Berliner Ortsteil Tiergarten an der Ecke Scheidemannstraße/Platz der Republik eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Lipinski. Im Vorraum des Fraktionsvorstandssaales der SPD im Deutschen Bundestag würdigt eine Texttafel den Widerstand der sozialdemokratischen Parlamentarier gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten am 23. März 1933.

Seit dem 6. November 1996 trägt das Leipziger SPD–Traditionshaus in der Rosa-Luxemburg-Straße 19–21 den Namen Richard-Lipinski-Haus. Das sanierte Büro-, Geschäfts- und Wohnhaus wurde von Inge Wettig-Danielmeier in Gedenken an den führenden Leipziger und sächsischen Sozialdemokraten eingeweiht. 1945 wurde ein Teil der heutigen Käthe-Kollwitz-Straße nach Richard Lipinski benannt. Aber schon 1962 verschwand der Straßenname wieder. Im Juli 2000 beschloss der Leipziger Stadtrat die Umbenennung der Ethel- und Julius-Rosenberg-Straße im Stadtteil Großzschocher, in Lipinskistraße. Am 6. Februar 2006 ehrte die SPD den ersten demokratischen Regierungschefs Sachsens anlässlich seines 140. Geburtstages an dessen Grab auf dem Leipziger Südfriedhof. Am 9. September 2014 wurde ihm zum Gedenken in der Goldschmidtstrasse 12 in Leipzig, vor seinem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus, im heutigen Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Museum, ein Stolperstein durch den Künstler Gunter Demnig verlegt.